"3. Frankenhardter Werkstattgespräch" bei Eckhard Froeschlin in Hinteruhlberg

Im Rahmen der "Frankenhardter Werkstattgespräche" der Kultur-OHG hatte der Künstler Eckhard Froeschlin eingeladen. Eine beträchtliche Schar von interessierten Frankenhardtern nahm die Gelegenheit wahr, diesen renommierten Kunstschaffenden mit seinen Werken an seiner Wirkungsstätte kennen zu lernen.

Das alte Haus von 1738 in Hinteruhlberg bewahrte Froeschlin nach eigenen Angaben vor dem Untergang, der ihm an seinem früheren Wirkungsort Wuppertal gedroht hätte. Er zeigte sich sehr erfreut über das Interesse, welches er hier in Frankenhardt erfahren durfte und weiter erfährt.

Der Künstler wartete mit beträchtlichem historischem Wissen über sein Domizil auf. Er führte seine Gäste durch das alte Gemäuer, das nun zur Wirkungsstätte eines ausdruckstarken Meisters in Druck, Graphik und Malerei geworden ist. Handwerkliche Perfektion steht an erster Stelle und das stabil gebaute historische Gebäude ist voll von Geräten und Vorrichtungen um diese zu erreichen. Tonnenschwere, teilweise historische Maschinen stehen im ersten Stock, vom Maleratelier im Dachgeschoss kann man sogar übergroße Gemälde mittels eines Krans herablassen.

Radierungen, Radierdrucke stehen derzeit im Vordergrund des Schaffens von Eckhard Froeschlin. Buchdrucke von beeindruckender Individualität und Schönheit entstehen im "Kleinstunternehmen" von Froeschlin und Anne Büssow, seiner Frau. Die "Edition Schwarze Seite" gibt wertvolle Bücher heraus, jedoch nur in Kleinstauflagen von z.B. 25 Stück, da die Anzahl der Abzüge einer Druckplatte begrenzt ist. "Dürer ließ drucken, ich drucke selber!", zeigte sich Froeschlin stolz auf seine außergewöhnlichen Bücher. Auf handgeschöpftem Papier aus Spanien entstehen die Texte im Bleihandsatz, die Graphiken, Bilder dazu werden im Hoch- und /oder Tiefdruckverfahren mittels eingeätzter Zinkplatten hergestellt.

Werke des bekannten nicaraguanischen Dichters Pablo Antonio Cuadra, auf die Froeschlin die Rechte erhalten hat, öffnen dem Künstler den Weg zum amerikanischen Markt der Liebhaber und Sammler von solchen schönen und fast einmaligen Büchern. Eckhard Froeschlin zeigte und erläuterte die Entstehung am Beispiel des neuesten Werkes "Schwarzgold", das eine erste deutsche Kolumbusübersetzung zum Inhalt hat.

Im Dachgeschoss des Hauses in Hinteruhlberg tat sich den Besuchern dann eine ganz andere Schaffenswelt des Künstlers auf. Dort entstehen teils großflächige Gemälde, das dritte Standbein des Künstlers nach Radierung und Buchdruck, sodass er nicht mehr Taxi fahren muss, wie er augenzwinkernd anmerkte.

Froeschlin nennt seine Arbeit "Pastellmontagetechnik". Auf einer Leinfarbengrundierung malt er mit Pastellkreiden, sehr farbintensiv und kräftig. Mit der Schere "geht der Künstler dann dem Bild hinterher", er schneidet, setzt zusammen, probiert und verändert. Er arbeitet also nicht nach Vorlagen, sondern Probieren, Experimentieren steht im Vordergrund. Manchmal sind einfachste "Spinnbilder", wie sie der Künstler bezeichnet, Ausgangssituation zur kreativen Entwicklung einer Arbeit, jedoch können diese nicht als Entwürfe oder Skizzen gesehen werden.

Anhand einer Bildermappe ließ Eckhard Froeschlin vor den faszinierten Besuchern abschließend seine malerische Entwicklung Revue passieren, die zur Zeit in eine neue Zielrichtung geht. Goldblätter stehen im Mittelpunkt. Vom Großformat zum Kleinformat , zurück zu den Kernpunkten und Grundlagen der Radiertechnik, umriss der Künstler seinen Weg.

Ernst Zinke

 

homeUmweltpreisKonzerteEinladung Über uns