"Heinrich der Töpfer", ein Handwerker mit Charakter. Werkstattgespräch vom 11. Juli 2003

Im Rahmen der "Frankenhardter Werkstattgespräche" der Kultur-OHG hatte "Heinrich der Töpfer" alias Heinrich Rößler eingeladen.
In seiner unnachahmlichen herzlichen Art gestaltete der Handwerker, wie er sich selber am liebsten bezeichnet einen schönen, interessanten und informativen Abend für seine Gäste.
In Wort und Tat veranschaulichte er seinen beruflichen und persönlichen Werdegang.
Mit siebzehn war dem Jungen aus dem Pfälzer Wald klar, dass er etwas mit seinen Händen schaffen wollte und begann eine Töpferlehre in Vaihingen/Enz. Die wöchentliche Berufschule in Stuttgart bezeichnete er als Fest, weil man dort die Freunde traf. Nach der Gesellenprüfung lief , wie natürlich auch bei anderen, nicht alles so nach Wunsch. Wie zum Beispiel, wenn aus einer Kaffeekanne für einen Amerikaner der Kaffee unter wieder raus kam.
Dennoch nahm er die Meisterprüfung in Angriff, die er an der renommierten Fachschule für Keramik in Landshut ablegte.

Steinehaig mit seiner besonderen Atmosphäre war für den Handwerksmeister ein Traum, als er ins Hohenlohische kam. Nach Jahren wurde er dann schließlich in Gründelhardt ansässig und konnte sich vor etwa zwei Jahren das eigene Haus mit Werkstatt, Wohnung und vor allem Entwicklungsmöglichkeiten verwirklichen, als er das ehemalige Bankgebäude in der Ortsmitte erwarb. Im Übrigen bezeichnete er den Teppichboden darin als idealen Boden für seine Töpferwerkstatt. Heinrich Rößler findet es toll, dass er hier als Töpfer gewollt wird und ideell und finanziell unterstützt wird.
Beeindruckend seine Praxisdemonstrationen, die er immer schon mit viel Herz auch Kindern zukommen lässt.
In seiner gewinnenden Pfälzer Art erzählte er gespickt mit Anekdoten, was ein Laie über das Herstellen von Keramik wissen sollte. Er stellt seine Ton aus Tonmehl selbst her, wie er überhaupt als Selfmademan beeindruckt. Während er sein unerschöpfliches kompetentes Fachwissen von sich gab, formten seine "Zauberhände" an der Töpferscheibe in beachtlicher Geschwindigkeit Gefäße. " Man muss ein bissle denken dabei", betont er und ist selbst immer noch fasziniert, dass dabei aus der weichen Masse etwas festes, wasserdichtes wird.

Verblüffend seine oft einfachen handwerklich geschickten Tricks mit denen er zum Beispiel gleiche Form und Größe der Gefäße erreichen kann. Natürlich sei er im Laufe der Zeit auch etwas faul geworden, sagte er augenzwinkernd, als er zugab, dass er für die Henkel doch eine Henkelpresse angeschafft habe. Gleichzeitig bezauberte er seine Zuhörer mit einem blitzschnell gefertigten eleganten Henkel am Demonstrationskrug.
Sein unerschöpfliches Fachwissen was Glasuren angeht, kann Jedermann an der einzigartigen Ausstellung in seiner Werkstatt selbst sehen. Er demonstrierte seine Tauchtechnik und zur bekannten Bemalung seiner Werkstücke meinte er lapidar: "Einen graden Strich hin zittern, das ist die Kunst!" Beim Brennen, dem entscheidenden Vorgang der Töpferkunst beweist Heinrich Rößler sein immenses Wissen durch die Vielgestalt seiner Farben und Formen.
Stolz ist er auf die Entwicklung seiner eigenen "Technologie" bei der Herstellung seiner bekannten "Ausstecherle".
"Heinrich der Töpfer" hat nach wie vor einen Riesenspaß daran, zu gestalten, zu entwickeln und zu erfinden wenn es notwendig ist.

Seine Zukunftspläne im Haus mitten in Gründelhardt, nämlich sein Handwerk noch mit Kursen für Lernbegierige zu erweitern und eine bescheidene Beherbergung zu ermöglichen, werden von seinem Umfeld, von der Gemeindeverwaltung und auch dort für gut befunden, wo es Geld für die Entwicklung des ländlichen Raumes gibt.
"Heinrich der Töpfer" ist eine Bereicherung, ein nicht mehr weg zu denkendes Original für die Gemeinde Frankenhardt.

Das erlebten auch seine Gäste an diesem Abend, als er sie noch zu einem Glas französischem Wein, einlud, in der Packtasche seines Fahrrades mitgebracht aus Burgund.
Das Lagerfeuer in der Ortsmitte, in einer alten Zinkwanne, war sicher auch nicht alltäglich.

Ernst Zinke

 

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