8. Frankenhardter Werkstattgespräch - Glasbläser Martin Strauch

 

Martin Strauch lässt den Brenner aufflammen. Immer wieder hält er den kleinen Glasstab ins Feuer, bis das harte Material langsam weich und formbar wird."So laut ist es hier immer", bemerkt er lapidar und stellt die Flamme noch ein bisschen höher. In der winzigen Werkstatt, von ihm liebevoll "Chaoswerkstatt" genannt, demonstriert er die Granulat- und Fadentechnik. Er erzählt von Ilmenau im Thüringer Wald, von Aalen, Stuttgart, Wertheim am Main und letztlich Honhardt - alles Stationen seines Lebens.

"Glasblasen ist keine Maschinenarbeit, das Hauptwerkzeug sind die Finger und genügend Puste, muss man haben", erklärt der Endsiebziger. Neben handwerklichem Geschick und dem gefühlvollen Umgang mit dem Material, sollte der Glasbläser auch einen Blick für ästhetisches Gestalten haben. Und Konzentration ist gefragt, jede noch so kleine Drehung muss sitzen! Der große Schrank im "Showroom" ist gefüllt mit Vasen, Kerzenhaltern, kleinen und größeren Kelchen, Kugeln, Öllampen und Wandschmuck. Auch auf den Regalen türmt sich Zerbrechliches.

"Glas hat immer fasziniert, durch seine Transparenz, durch seine Geschmeidigkeit, auch durch seine Sprödigkeit. Glas ermöglicht das harmonische Zusammenspiel von Form und Farbe", zitiert Martin Strauch den französischen Schriftsteller Paul Scheerbarth. In einem Mini-Exkurs lernen wir den Unterschied zwischen Glasmachen und Glasblasen, wissen nun, aus welchen Elementen Glas hergestellt wird und staunen über die Geschicklichkeit, mit der aus einem langweiligen Glasstab eine faszinierende Glaskugel entsteht.

Wehrdienst, Abitur, Ausbildung zum Glasinstrumentenmacher bzw. Glasapparatebauer, Fremdsprachen, EDV, Glas-Kunsthandwerk - so skizzierte Martin Strauch seine berufliche Entwicklung. Konstanten in diesem abwechslungsreichen Leben sind und waren seine Ehefrau und sein christlicher Glaube.

Künftig will er mit der Glasbläserei aus gesundheitlichen Gründen etwas kürzer treten und sie nur noch als Hobby betreiben. Und wer Martin Strauch an diesem Abend erlebt hat, wer sich von der Begeisterung zu diesem spröden Material anstecken ließ, der weiß, dass das Gestalten mit Glas aus seinem Leben nicht wegzudenken ist.

Sie haben viel versäumt, wenn Sie nicht dabei waren. Doch das nächste Werkstattgespräch kommt bestimmt, und zwar am 24. Juli. Dann sind wir zu Gast bei der Malerin Doris Lehmann. Ich verspreche Ihnen schon heute, dass das auch wieder ein spannendes Ereignis wird.

Rut Labitzke

 

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