Stefanos Tsialis

27. Juli 2013

Open Air Serenadenkonzert in Nürnberg

mit den Nürnberger Symphonikern 

Die Kultur O.H.G. hat sich einen der heißesten Tage dieses Sommers für die Kultur­fahrt aus­ge­sucht. 35° Außentemperatur verrät die digitale Anzeige im Bus.

Doch frei nach dem Motto: lieber transpirieren, als frieren, erwarten wir gespannt, was uns die nächsten Stunden bescheren werden.

Punkt 20 Uhr erhebt Stefanos Tsialis den Taktstock zu Bedřich (Friedrich) Smetanas „Die Moldau“ aus dem sin­fonischen Zyklus „Mein Vaterland“.

Zwei Flöten erschaffen akustisch das quirlige Sprudeln der zwei Moldauquellen im Böh­mer­wald, an­schließend plätschert das Orchester-Bächlein eher träge dahin, bevor es sich dann musikalisch zu einem gewaltigen Strom steigert.

Musikkenner wissen, dass man diesen Klassiker auch anders interpretieren kann. Ange­bo­ten wird er übrigens auch inzwischen als Klingelton fürs Handy.

 

Auf Semetana folgt der zweite Tscheche, Antonín Dvořák

„Konzert für Violine und Orchester a-Moll op. 53“ steht auf dem Programm. Jetzt hat Tobias Feldmann seinen großen Auftritt. Der 22jährige elektrisiert die Zuhörer gleich zu Be­ginn seines So­los, mit dem „Allegro ma non troppo“. Er weiß, wie man Effekte setzt, ohne sie zu strapazieren. Die Zuhörer sind begeistert.

Das „Adagio ma non troppo“ spielt er samtweich und doch frisch und flexibel. Vergleiche zu Anne-Sophie Mutter drängen sich auf. Ausdrucksstark und virtuos brilliert er auch im letz­ten Satz. Das wird vom Publikum mit tosendem Applaus honoriert.

 

Nach der Pause geht’s in die Neue Welt.

Kann das Orchester an die furiose erste Hälfte anknüpfen?

Es kann. Grandios beginnt es mit dem ersten Satz der Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95, Dvořáks populärster Schöpfung. Ein dreijähriger Amerika-Aufenthalt hat ihn zu die­sem Werk inspi­riert, das deshalb den Beinamen „Aus der Neuen Welt“ trägt.

Im zweiten Satz, geprägt von Melancholie, „singt“ das Englischhorn die Hauptme­lo­die, bevor es im  3. Satz, dem „Molto vivace“ wieder rhythmisch tänzerisch wird.

 

Mit „Allegro con fuoco“ wird endgültig das Feuer gezündet. Dieser Satz ist von einer sol­chen Dynamik erfüllt, wie sie Dvorak in keine seiner vorherigen Sinfonien erreicht hat. So treibt dann auch Stefanos Tsialis unerbittlich seine Musiker zu Hö­henflügen an – den Auf­bruch in die Neue Welt. Nicht enden wollender Applaus schallt über den Serenadenhof.

 

Nach einer flotten Zugabe, löst der 49jährige Grieche, dem sein Hemd inzwischen am Kör­per klebte, seinen „Halsschmuck“ und ist bereit für eine weitere Zugabe. Die Künstler holen noch einmal alles aus sich und den Instrumenten heraus und verabschieden sich damit in die laue Sommernacht.

 

Rut Labitzke

28. Juli 2013