HOHENLOHER TAGBLATT 
Donnerstag, 15. April 1999
KONZERT / „Harmonic Brass“ begeistert Zuhörer

Virtuosen mit Humor

Blechbläserensemble aus München spielt auf höchstem Niveau

Das Konzert der„Harmonic Brass“ aus München war für die Frankenhardter „Kultur O.H.G.“ eine gelungene Auftaktveranstaltung. Das Programm, „Von Bach bis Bernstein“, gab einen tiefen Einblick in die Vielseitigkeit der Musiker. Über deren Professionalität und Können braucht man hier eigentlich gar keine Worte zu verlieren. Die 280 Augen- und Ohrenzeugen können dies gewiß begeistert bestätigen.

VON PETER NOACK
HONHARDT Bei den Worten „Kultur“ und „Blechblasinstrumente“ beschleicht doch so manchen von Rock- und Popmusik „verwöhnten“ Zeitgenossen eine gewisse ablehnende Haltung. Doch schon der Einzug der fünf Musiker mit einem Rondo in die Sandberghalle weckte Sympathien für die Herren im schwarzen Frack. Die Musiker eröffneten ihr Programm mit dem „Einzug der Königin von Saba“ von G. F. Händel, danach kamen drei Choralbearbeitungen von Johann Sebastian Bach. Beide Beiträge waren von Hans Zellner (Trompete) bearbeitet, dessen musikalischer Werdegang vom zweiten Trompeter Jürgen Gröblehner gekonnt und humorvoll vorgestellt wurde. Mit dem „Präludium, Fuge und Ciacona“ von D. Buxtehude verließen die Musiker die Klassik und näherten sich auf der musikalischen Reise dem 20. Jahrhundert. Das Traditional „Go Tell It On The Mountain“ begann getragen, wurde dann aber immer jazziger und die Freude am Musizieren war den einzelnen Solisten deutlich anzumerken.

Der folgende Beitrag war nicht vorgesehen und wurde kurzfristig ins Programm aufgenommen: Den Musikern war zu Ohren gekommen, dass sich im Saal zwei Geburtstagskinder befanden. Kurz entschlossen gaben sie eine gekonnte a-Capella-Version von „Happy Birthday“ zum Besten. Vor der Pause, und schon bei Bernstein angekommen, wurden aus „West Side Story“ die bekannten Titel „Maria“, „America“, „I feel Pretty“ und „Somewhere“ gespielt. Nachdem sich in der Pause Publikum und Musiker gestärkt hatten, bliesen die „Harmonic Brass“ mit einer Fanfare zum zweiten Teil des Abends. Bei Telemanns „Concerto D-Dur“ für Horn und Streicher wurden letztere durch Trompeten, Posaune und Tuba ersetzt und Andreas Binder konnte sich auf seinem Horn brillant in Szene setzen.

Nachdem die Solisten Musikalität und Können demonstriert hatten, kam der Humor der einzelnen Musiker immer mehr zum Vorschein. Gesten, Blicke, Gesichtsausdruck und vor allem die Vorstellung der einzelnen Musiker sorgten beim Publikum für Erheiterung und gute Unterhaltung. Bei Gershwins „A Foggy Day“ befand sich der Trompeter im Publikum, bei dem Ragtime-Stück „Miss Trombone“ demonstrierte Hannes Mück, wie man mit der Posaune einen „hautnahen“ Publikumskontakt herstellen kann.

Das Programmende war mit „Comedian Brass“ erreicht, einem beliebten Potpourri aus beliebten Melodien der „Comedian Harmonists“. Den schmachtenden Blick des Posaunisten bei „Ich brech´ die Herzen der stolzesten Frauen“ werden nicht nur die weiblichen Zuschauer in Erinnerung behalten. Bei den Zugaben durfte der Mann an der Tuba, Manfred Häberlein, seine Qualitäten nochmals deutlich darstellen. Eine „Referenz an Oberbayern“ bildete den humoristischen Schlusspunkt und als nach donnerndem Applaus die fünf Musiker der „Harmonic Brass“ aus dem Saal zogen, war das Publikum nicht mehr auf den Stühlen zu halten. „Standing ovations“, der Traum eines jeden Künstlers, waren der Lohn für einen gelungenen Auftritt und der Höhepunkt eines unterhaltsamen Abends auf höchstem Niveau.

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