Simone Solga
Brillantes Kabarett in Gründelhardt

Die sächsische Wahlmünchnerin präsentierte in Gründelhardt ein temporeiches Kabarettprogramm mit privaten und politischen Tönen, voller Spielfreude und Mut zur Pointe. Allerdings war Simone Solga mit ihrem dritten Soloprogramm "Kanzlersouffleuse" mitten in die bundesrepublikanischen Veränderungen hineingestolpert und das Programm musste immer wieder aktualisiert werden.

Nach der Begrüßung durch Kurt Kochendörfer von der Kultur O.H.G. wurde Simone Solga von noch einer herausragenden Person angekündigt: Unser Gerd sprach vom Band und entschuldigte sich gleich dafür, dass er jetzt auch so Kleinigkeiten machen müsse, „aber irgendwo muss man ja bleiben“.

So geht es auch Frau Solga. Mit dem Kabarett ist nicht so viel verdient, sie ist daher immer auf der Suche nach Jobs. Mit ihren handgeklopften Gardinenringen, die sie während ihrer Arbeit im Call Center nebenbei herstellt, unterbietet sie sogar die Konkurrenz aus Indien. Sie vermarktet und testet „Chinesischen Wurzeltee“ und auch als Karussellansagerin und Denkmal hat sie schon gearbeitet. So kommt das Angebot gerade recht, bei der Eröffnung des Bitterfelder Spaßbades für den Kanzler die Anheizerin zu spielen. Motto: „Aufschwung Ost geht baden!“ Viel gab´s dafür auch nicht, da Hans Eichel die Gage ausgehandelt hat, aber sie war dem Kanzler so nahe, das sie ihm bei einem „Hänger“ die entscheidenden Worte einflüstern konnte. Dieser Geistesblitz war der Beginn einer Karriere als „gelber Engel für Redeunfälle“ und so wurde sie von „Münte“ als Kanzlersouffleuse eingestellt.



So hangelte sich die kleine (158,5 cm), wuselige Powerfrau durch die Berliner Politszene und durfte es sich als Ossi-Frau auch trauen, liebevollen und ätzenden Spott über die nach wie vor blütenarmen Landschaften auszuschütten. Als echter Profi hatte sie den Saal schon nach wenigen Minuten im Griff. „Gründelhardt, eine der Metropolen der Kleinkunstszene
. Wer´s in Gründelhardt geschafft hat, schafft´s überall!“ war ihr doppelbödiges Kompliment.

Mal kokett, mal derb, mal laut, mal leise erzählte und sang sie (Ich bin eine Marktlücke) von ihren Erlebnissen mit Schröder, „Münte“, Eichel, Merkel und „(Sch)Westerwelle“. Ihr zur Seite stand Schwarm Vitali, der Bodygard von Schröder (ein Gastgeschenk Putins) und ihr im Weg der Sicherheitschef (mit Vergangenheit) und sein Schäferhund Rommel.




Bei Simone Solga bekamen alle ihr Fett ab: Schröder („Ich geb` zu: Ich hab Versprechen gebrochen, aber ich kann neue machen“), Frau Merkel (…sitzt da wie der Frosch auf der Erdalbüchse!) und der Rest der Politiker wurde der „perfektionierten Nichtssagerei“ beschuldigt. Sie sang leidenschaftliche Chansons mit eigenwilligen Texten vom Liebes- bis zum Klagelied und schreckte vor keinem Reim zurück.

Dies war die erste Veranstaltung der Kultur O.H.G. im neuen evangelischen Gemeindehaus und der kurzfristige Wechsel des Veranstaltungsortes stellte sich im Nachhinein als glückliche Entscheidung heraus.





Die Stimmung war gut, das Publikum nah am Geschehen und die Atmosphäre persönlich. Simone Solga setzte pointierte Versprecher, jonglierte mit Worten, reihte geschliffene Gags aneinander, war mal von sündiger Laszivität, mal von anrührender Verletzlichkeit. Am Ende: brandender Applaus und ein Blumenstrauß für eine der ganz Großen in der Kleinkunst-Szene.

Text und Bilder: Peter Noack


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