10. Juli 2004

Skomorochi

von Rut Labitzke

Ein Pferd auf der Bühne? Alles hatten wir erwartet, nur das nicht. Gleich zu Anfang überraschten uns 2 Künstler, die sich unter diesem lustigen Pferd – es konnte mit den Augen zwinkern – verbargen, mit tänzerischer Akrobatik. Lachen war angesagt, doch die Tanzeinlagen uneingeschränkte Bewunderung hervor.

 
Talentierte Musiker und begnadete Tänzer entzündeten ein folkloristisches Feuerwerk.

Witz, Humor und Lebensfreude aber auch die Melancholie der russischen Seele gehörten zu den Facetten der Darbietung. Und spätestens bei „Kalinka“ war auch die deutsche Seele berührt: Klatschen im Rhythmus und tosender Applaus.

Doch auch Soloparts faszinierten die Zuschauer: Der Bariton Genadi Boyko ebenso wie Juri Kilturschev mit der Domra.

Konstantin Schachanow entführte sein Publikum in eine andere Welt, wenn er das Gusli (ein zitherähnliches Saiteninstrument) liebevoll zupfte und den Saiten wehmütige und doch klangschöne Töne entlockte. Seine Fingerfertigkeit verfehlte die Wirkung nicht. Ein Hochgenuss auch, wenn er temperamentvoll die Saiten wie bei einer Gitarre schlug, spritzig und voller Dynamik.

Sein Auftritt mit Hirtenflöte und Holzlöffeln, die er auch am Körper anschlug, an dem er kleine Holzstücke befestigt hatte, beeindruckte die Zuschauer – ideenreich und originell inszeniert.

Unter der Leitung von Professor Viktor Akulovitsch begeistern die jungen Künstler ihr Publikum. Das knapp 30köpfige Musik- und Tanzensemble von der Kulturhochschule in St. Petersburg fasziniert mit bekannten und eigenen Kompositionen und Original­instrumenten aus dem alten Russland und einer Choreografie ästhetisch und ausdrucksstark. Sie sind auf Tournee, um so ihr Studium zu finanzieren.

Farbenprächtige KostümeVier Paare tanzten in und boten ein fröhliches buntes Bühnenbild. Der blitzschnelle Kostümwechsel verblüffte die Zuschauer ebenso wie das atemberaubende Tempo der Tänze, die akrobatischen Einlagen und der Eindruck der Leichtigkeit, mit der sie über die Bühne zu schweben schienen – eine tänzerische Meisterleistung mit Anleihen an Ballett und Tanztheater.

Possenreißer, Gaukler, reisende Troubadoure, so die Übersetzungen von Skomorochi. Doch auf den Punkt gebracht ist Skomorochi viel mehr: Folklore mit Charme, Witz und tänzerischer Perfektion!


 (Bilder: Foto Ziegler, Crailsheim)

 
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